Pferdeklinik Tappendorf

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Dr. med. vet. Jörg-Peter Belz
Fachtierarzt für Pferde,
Zuchthygiene und Besamung
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Muskelerkrankungen des Pferdes


Es gibt verschiedene Muskelerkrankungen (Myopathien) beim Pferd, die sich zwar in den Krankheitssymptomen alle ähneln, aber unterschiedliche Ursachen haben. Das Ausmaß der Muskelschädigung spiegelt sich in der Schwere der Symptome wieder.

 

Symptome

Liegt eine schwerwiegende Muskelschädigung vor, kann das Pferd nicht mehr laufen. Es weigert sich, sich zu bewegen, schwitzt stark und zeigt deutliche Schmerzen, wie z.B. Flehmen und Umsehen nach der schmerzenden, harten Hinterhandmuskulatur. Einige Pferde legen sich sogar hin. Diese Symptome können Koliksymptomen sehr ähnlich sein!

Ist die Muskelschädigung weniger stark, zeigt sich der Patient steif in der Hinterhand, eine Verhärtung der Muskulatur muss nicht immer fühlbar sein. Bei einer Myopathie gehen Muskelzellen zu Grunde, der Muskelfarbstoff wird über die Niere ausgeschieden, es kommt zur Braunfärbung des Harns. In einer Blutprobe sind die Muskelenzymwerte erhöht, anhand dieser Laborwerte kann das Ausmaß der Muskelschädigung abgeschätzt werden.

Diese Symptome treten bei den unterschiedlichen Ursachen gleichermaßen auf. Um eine Prophylaxe zu betreiben, ist die genaue Diagnostik der vorliegenden Muskelerkrankung wichtig.

 

Sporadischer akuter Kreuzverschlag (sporadic exertional rhabdomyolysis)

Diese Form der Muskelerkrankung stellt die klassische Feiertagskrankheit dar. Sie tritt bei Pferden auf, die in der Regel wenig oder gar nicht belastet, aber gut gefüttert wurden. Fordert der Reiter plötzlich eine starke Belastung ab, kommt es aufgrund von Elektrolytimbalancen in der Muskelzelle zum Untergang der Zelle. Diese Muskelschädigung ist somit belastungsinduziert, es liegt keine Grunderkrankung vor, wie es bei den anderen Formen der Fall ist. Erkrankte Pferde sollten sofort ruhig gestellt werden, evtl. sogar mit dem Anhänger aus dem Gelände in den Stall transportiert werden. Dort wird der Tierarzt schmerz- und entzündungshemmende Medikamente verabreichen. Je nach Schweregrad kann eine Infusionstherapie notwendig werden, da der über die Niere ausgeschiedene Muskelfarbstoff zu lebensbedrohlichem Nierenversagen führen kann. Erst wenn die Blutprobe normale Muskelwerte ergibt, kann langsam und vorsichtig mit aufbauendem Training begonnen werden.

 

Wiederkehrender belastungsbedingter Verschlag (recurrent exertional rhabdomyolysis)

Dieser Myopathie liegt eine Stoffwechselstörung in der Muskelzelle zugrunde. Daher ist die Erkrankung im Grunde nicht heilbar, mit gutem Management lässt sich ein erkranktes Pferd jedoch unter Umständen moderat reiten. Vor allem Vollblüter sind betroffen, aber auch Warmblüter können erkranken. Eine erbliche Disposition liegt vor, Stuten erkranken häufiger als männliche Tiere. Die klinischen Symptome sind meist nur sehr milde und äußern sich in stärkerem Schwitzen und geringer Leistungsbereitschaft. Eine Blutprobe in Ruhe und nach standardisierter Belastung bringt Aufschluß, eine gesicherte Diagnose kann mit Hilfe einer Muskelbiopsie gestellt werden. Therapeutisch müssen Pferde mit dieser Form der Muskelerkrankung einem speziellen Fütterungs- und Bewegungsregime unterliegen. So sollten wenig Kohlenhydrate in der Ration sein, Energie wird dann in Form von Fetten zugeführt.

 

Kohlenhydratspeicherkrankheit (polysaccharid storage myopathy)

Auch dieser Myopathie liegt eine Stoffwechselerkrankung zugrunde. Diese Erkrankung ist ebenfalls erblich und kommt gehäuft bei Kaltblütern sowie bei den amerikanischen Westernpferderassen vor. Hier werden abnorm viele Zuckermoleküle in der Muskelzelle gespeichert, was zur Zellschädigung führt. Wie bei dem wiederkehrenden belastungsinduzierten Verschlag ist auch diese Stoffwechselstörung nicht heilbar. Diätetische Maßnahmen und ein Bewegungsprogramm stehen als Prophylaxemaßnahmen im Vordergrund. Lange Zeit konnten Blutproben einen Hinweis auf die Kohlenhydratspeicherkrankheit geben, die gesicherte Diagnose war durch eine Muskelbiopsie möglich. Inzwischen ist ein Gen-Nachweis über eine Blutprobe erhältlich.

 

 

© by  Dr. Claudia Stroth, Pferdeklinik Dr. Belz, Tappendorf